Archiv nach Monaten: Februar 2007

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das hier hatte ich vor ein paar tagen in meinem postfach: einer dieser stayfriends-newsletter, weil ich mich da vor jahren mal eingetragen habe, als es um die vorbereitung eines klassentreffens ging. doch halt! diesmal war es nicht die übliche was-sich-schon-wieder-in-ihrer-klasse-ereignet-hat-post, sondern eine der fiesen art: eine spekulation darüber, wie populär ich in meiner schulklasse war.

das passt sicher wunderbar in unsere gegenwärtige ranking-kultur, die sich nach anzahl der votes, kontakten oder buddies bemisst (dsds, openbc, myspace, etc.). aber wie perfide! stayfriends generiert dieses klassenliebste-ranking nach den aktivitäten auf der stayfriends-site. d.h. je häufiger meine stayfriends-profilseite besucht wird, je mehr kontakte ich über sie habe und, gut festhalten!, je mehr poesiealbum-einträge ich mein nennen darf, desto beliebter muss ich wohl in der klasse gewesen sein.

hm. da kommt selbst stayfriends ins zweifeln, ob diese einerseits absurde, anderseits aber auch sehr komische verwurstung des page rank prinzps von google in ordnung geht. unter dem schönen titel „Vom Messen und Steigern der Beliebtheit“, der so klingt, als wäre er direkt aus dem knigge übernommen (wie auch ansonsten der tonfall auf der stayfriends-site ein wenig schrullig und altbacken daherkommt), schreibt stayfriends in eigener sache:

Wir haben darüber nachgedacht, was man aus den Aktivitäten unserer Mitglieder herauslesen könnte. Das Ergebnis ist eine Rangliste. Keine ganz ernstzunehmende, zugegebenermaßen. Ein Experiment, dessen Ausgang auch uns nicht klar ist.

mir auch nicht. auf jeden fall finde ich platz 4 von 11 derzeit registrierten ehemaligen kamerade gar nicht so übel. und schreib mir jetzt selber gleich mal was ins poesialbum, ätsch!

das wurde auch mal zeit! endlich eine hübsche parodie auf den ganzen rummel um second life: get a first life! kein serverstau, keine tanzveranstaltungen, wo man erstmal einen move kaufen muss um mitzumachen und auch sonst jede menge überzeugende vorteile: fornicate with your real genitals! oder: Hang out at the mall! Embarass yourself in gym class! Get acne! Experiment with mind-altering recreational drugs! The First Life world is your oyster.

klingt super. wenn mit jetzt noch einer sagt, wo ich das downloaden kann.

der kann auch echt! hier ganz locker am set!

gerade ein blogflötenstück aus der riesenmaschine zu gemüte geführt, das mich begeistert: katrins passigs lob, nein, hymne auf neue features in der youlikemymusicidigyouranimtedgif-welt der social networks. das stück endet mit einem absolut einspruchsfreien, goldenen satz über die notwendigkeit alldesssen:

„Aber warum sollte man das wollen?“, mag der ratlose Leser fragen.
„Weil es geht“, sagen wir.

wie wäre das, wenn ein deutscher r&b star, sagen wir xavier naidoo, in einem deutschen film spielt, der auf einem asiatischen filmfestival, etwa in seoul, läuft und darin ein koreanisches liebeslied schmettert, dass der ganze kinosaal zu weinen beginnt? und du bist dabei und denkst: alter, was is hier denn bitte los? nun gut, so ganz eins zu eins kann man die situation mit der im berlinale-palast am letzten tag nicht vergleichen. aber: es gab es jede menge sehr sympathisierender schmunzler über das jodellied vom „berner oberland“, gesungen von einem mir völlig unbekannten koreanischen popstar namens rain. dieser spielt in dem wettbewerbsbeitrag von park chan-wook den verehrer der hauptrolle, young gun.

young gyun denkt, sie sein ein cyborg. am anfang des films schneidet sich das mädchen bei der fließbandarbeit in einem elektrowerk die pulsadern auf, steckt sich zwei kabel ins handgelenk und den stecker anschließend in die steckdose. klarer fall: ab in die psychiatrie. dort lernt sie nach und nach den jungen il-sun kennen, gespielt von eben jenem koreanischen popstar. und was machen mädchen mit popstars? sie verlieben sich, klar. in diesem fall unter und zwischen ganz vielen liebenswerten idioten, deren ticks allein doppelt so viel humorpotenzial haben wie eine durchschnittliche us-komödie – ohne dass der film sich lustig macht, ohne dass er die pathologien billig ausschlachtet.

young gyuns hintergründe für ihren aufenthalt in der klapse werden in rückblenden erzählt: sie haßt die irrenärzte, weil die ihre großmutter abgeholt haben. von ihr hat young gyun nur noch die dritten zähne, die sie hütet wie ihren augapfel. aber irgendwie reicht das nicht. sie will rache (eines der leitmotive des regisseurs in seinen früheren filmen oldboy und lady vengeance). also bittet sie bittet il-sun, den dieb, dessen tick von der familienflüchtigen mutter stammt, die die komplette sammlung elektrischer zahnbürsten der familie mitnimmt, ihr mitleid zu klauen. was dieser tut und young gyun darauf hin das psychiatriepersonal in bewährter asiatisch stilisierter art als kampfmaschine hinmetzelt – aber in nur ihrer phantasie. dieses mädchen tut keinem marienkäfer etwas zuleide.

mich hat die geschichte ein bißchen an die liebenden von pont neuf erinnert – aber wo leos carax verzweiflung und depression hinpackt, setzt park chan-wook auf helle töne, die zu den pastellfarben der austattung passen und unser bild von der süßen asiatischen idoru-welt bestens bestätigen. selten hat mich ein psychiatriefilm so hochgezogen und erheitert. am ende hat sich eine wunderbare liebesgeschichte entsponnen, und das cyborg-mädchen isst auch wieder echten reis und leckt nicht mehr an den batterien. leise, schön sentimental, und ja: definitiv kitschig, aber immer sensibel für das richtige maß. ebenso wie der film traumhaft sicher mit rhytmus und athmosphäre umgeht. superfilm. so muss kino sein.

malté sei dank!