Kategoriearchive: kino!

wie wäre das, wenn ein deutscher r&b star, sagen wir xavier naidoo, in einem deutschen film spielt, der auf einem asiatischen filmfestival, etwa in seoul, läuft und darin ein koreanisches liebeslied schmettert, dass der ganze kinosaal zu weinen beginnt? und du bist dabei und denkst: alter, was is hier denn bitte los? nun gut, so ganz eins zu eins kann man die situation mit der im berlinale-palast am letzten tag nicht vergleichen. aber: es gab es jede menge sehr sympathisierender schmunzler über das jodellied vom „berner oberland“, gesungen von einem mir völlig unbekannten koreanischen popstar namens rain. dieser spielt in dem wettbewerbsbeitrag von park chan-wook den verehrer der hauptrolle, young gun.

young gyun denkt, sie sein ein cyborg. am anfang des films schneidet sich das mädchen bei der fließbandarbeit in einem elektrowerk die pulsadern auf, steckt sich zwei kabel ins handgelenk und den stecker anschließend in die steckdose. klarer fall: ab in die psychiatrie. dort lernt sie nach und nach den jungen il-sun kennen, gespielt von eben jenem koreanischen popstar. und was machen mädchen mit popstars? sie verlieben sich, klar. in diesem fall unter und zwischen ganz vielen liebenswerten idioten, deren ticks allein doppelt so viel humorpotenzial haben wie eine durchschnittliche us-komödie – ohne dass der film sich lustig macht, ohne dass er die pathologien billig ausschlachtet.

young gyuns hintergründe für ihren aufenthalt in der klapse werden in rückblenden erzählt: sie haßt die irrenärzte, weil die ihre großmutter abgeholt haben. von ihr hat young gyun nur noch die dritten zähne, die sie hütet wie ihren augapfel. aber irgendwie reicht das nicht. sie will rache (eines der leitmotive des regisseurs in seinen früheren filmen oldboy und lady vengeance). also bittet sie bittet il-sun, den dieb, dessen tick von der familienflüchtigen mutter stammt, die die komplette sammlung elektrischer zahnbürsten der familie mitnimmt, ihr mitleid zu klauen. was dieser tut und young gyun darauf hin das psychiatriepersonal in bewährter asiatisch stilisierter art als kampfmaschine hinmetzelt – aber in nur ihrer phantasie. dieses mädchen tut keinem marienkäfer etwas zuleide.

mich hat die geschichte ein bißchen an die liebenden von pont neuf erinnert – aber wo leos carax verzweiflung und depression hinpackt, setzt park chan-wook auf helle töne, die zu den pastellfarben der austattung passen und unser bild von der süßen asiatischen idoru-welt bestens bestätigen. selten hat mich ein psychiatriefilm so hochgezogen und erheitert. am ende hat sich eine wunderbare liebesgeschichte entsponnen, und das cyborg-mädchen isst auch wieder echten reis und leckt nicht mehr an den batterien. leise, schön sentimental, und ja: definitiv kitschig, aber immer sensibel für das richtige maß. ebenso wie der film traumhaft sicher mit rhytmus und athmosphäre umgeht. superfilm. so muss kino sein.

der neue 007. eigentlich war ich drin wegen clemens. den kenn ich als steppke aus stuttgart, und jetzt spielt der beim bond mit. das muß ich sehen, klar. und es hat sich gelohnt. casino royale is bond 2.0: selbstironisch, voll von heute und superschnell. doch piano: daniel craig! irgendwie ist der typ ja n proll, oder? zu muskulös für diese rolle für meinen geschmack, zu albern dieser meckischnitt und die schnute, die er zieht, wenns an die eier geht. wahrscheinlich muss ich mich erstmal umgewöhnen. pierce brosnan war nun wirklich auch nich mein frisurenheld. ansonsten: ein bombenbond. keine ahnung, um was es ging, aber der film hat auf jeden fall die lustigste folterszene, die ich im kino je sah. und das mädchen ist auch hinreißend. stellenweise ist das ja ein richtiger liebesfilm geworden, nich das übliche 2-minuten-samtdecken-abblendmanöver, das man so aus den 80er und 90er jahren bonds kennt. richtig schön was fürs herz. hach. und zum glück lassen sie endlich mal diese gadget knick knacks weg. stattdessen ehrliche reanimation, wie man sie seit pulp fiction nicht gesehen hat. toll.

kinosternchen: **(**)